• Daniela Niemeyer

Systemisch? Was heißt das eigentlich?

Aktualisiert: März 11

Die Ursprünge des System-Begriffs liegen in der Naturwissenschaft (v.a. der Physik und Biologie) und wurden v.a. durch die Kybernetik geprägt (Forschungsrichtung, die Systeme verschiedenster Art (z.B. biologische, technische) auf selbsttätgie Regelungs- und Steuermechanismen hin untersucht.

Diese Gedanken wurden in der Folge von sozialwissenschaftlichen Forschern wie Gregory Bateson, Paul Watzlawick, Heinz von Foerster oder Klaus Luhmann aufgegriffen und auf die Sozialwissenschaften übertragen. *


Aufgrund ihrer Plausibilität und Wirksamkeit hielten sie erfolgreich Einzug in der Psychololgie und der Psychotherapie (zunächst in Einzel-, später in Anwendung für die Familientherapie). Relativ neu ist in diesem Zusammenhang die Übertragung der Erkenntnisse, Ansätze und Methoden der Systemtheorie auf Organisationen – unter der Annahme, dass Teams und Organisationen den gleichen „Mechanismen“ unterliegen, wie alle sozialen Systeme.



Was ist ein System? Begriffsklärung

Eine Definition eines Systems in diesem Zusammenhang lautet:

"Ein System kann definiert werden als ganzheitlicher Zusammenhang von Teilen, deren Beziehung untereinander quantitativ und qualitativ intensiver sind als ihre Beziehung zu anderen Elementen. Diese Unterschiedlichkeit der Beziehungen bildet die Systemgrenze, die System und Umwelt trennt.„ (Arist von Schlippe 1997, S.5)*


In den Naturwissenschaften, wäre das kleinste System z.B. ein Atom, das nächstgrößere eine Zelle, das nächstgrößere ein Organ, dann der Mensch - allerdings trennt Luhmann hier das psychische System (Geist) und das biologische (Körper). Das einfachste Beispiel für ein soziales System aus dem privaten Bereich ist ein Paar, eine Familie, mit x Kindern, Onkeln, Tanten, etc.


Übertragen auf den geschäftlichen Bereich ist ein Team oder eine Abteilung ein System. Viele Abteilungen wiederum sind Teil eines größeren Systems, einer Organisation, eines Marktes, eines Landes, usw.


Durch die Übertragung der grundlegenden systemischen Gedanken & Wirkprinzipien auf soziale Systeme gelangt man zu einem Verständnis für deren Verhalten und ihre Beeinflussbarkeit:


Verhalten: Selbsterhalt & Stabilität

Alle Systeme (auch Teams) neigen dazu, einen stabilen Zustand zu entwickeln und /oder aufrecht zu erhalten, der ihnen ihr Überleben sichert. Das führt zu einer gewissen Resistenz gegenüber Veränderungen bzw. führt dazu, dass sie immer wieder das zuvor existente Gleichgewicht erhalten wollen.

Das Gleichgewicht in Systemen erhält sich über energetische Austauschprozesse. Die Energie in Teams und Organisationen ist Kommunikation, dh. wer etwas verändern will, muss die Kommunikation verändern.


Immer im Gleichgewicht. Veränderung braucht Energie.

Beeinflussbarkeit

Veränderung im Gleichgewicht braucht immer einen Anstoss von aussen. Dies kann ein neuer Kollege im Team sein, ein Kunde, der weg bricht, ein Markt, der sich verändert, ein Berater, der mit dem Team arbeitet. Diese Anstösse (Interventionen) können bewusst gesetzt werden oder sie ereignen sich, z.B. durch die Veränderung des Marktes.

Wenn man an einer Stelle im System Veränderungen vornimmt, hat dies vielfältige (und nicht vorhersagbare) Wirkungen auf andere Elemente im System.

Denn – und das ist einer der Grundprinzipien der systemischen Denkweise - alles hängt miteinander zusammen und beeinflusst sich gegenseitig.


Systemiker arbeiten dabei nicht nach dem Ursache- Wirkungsprinzip und mit dem Suchen nach „Schuldigkeiten“ sondern konzentrieren sich auf die Kommunikation, die Wechselwirkungen zwischen den Mitgliedern des Systems und versuchen diese durch „Irrititation“ bewusst zu machen und so das Verändern von Perspektiven zu ermöglichen, um die Handlungsfähigkeit von Teams / Organsiationen zukunfts- und lösungsorientiert zu beeinflussen. Eine gezielte Lenkung ist dabei unmöglich – das System steuert sich immer selbst.



Die systemische Haltung

Neutralität, Allparteilichkeit, Wertschätzung, Offenheit & Neugierde, „positive“ Respektlosigkeit , Vertrauen auf die Ressourcen des Systems.


Die DGSF – Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie – ist ein Fachverband für Systemische Therapie, Beratung, Supervision, Mediation, Coaching und Organisationsentwicklung in Deutschland. Die DGSF ist berufsübergreifend und verfolgt das Ziel, systemisches Denken und Arbeiten in Organisationen und Berufsfeldern zu fördern.


www.dgsf.org


Ein DGSF-Zertifikat bestätigt, dass eine systemische Weiterbildung mit definiertem Qualitätsstandard erfolgreich absolviert wurde. Insbesondere im Beratungs-, Therapie- und Supervisionsbereich haben DGSF-Zertifikate einen hohen Stellenwert. Ratsuchende wissen: BeraterInnen/TherapeutInnen mit DGSF-Zertifikat haben sich für das systemische Arbeiten besonders qualifiziert. Sie wahren die fachlichen Standards systemischen Handelns im Arbeitskontext und begegnen Ratsuchenden mit Achtung, Respekt und Wertschätzung. DGSF-Zertifizierte verpflichten sich, die Möglichkeitsräume ihrer KlientInnen/KundInnen zu erweitern, deren Selbstorganisation zu fördern und unterliegen der Schweigepflicht.



*Quellen:

Andreas Patrzek, Systemisches Fragen, Verlag Springer Gabler ISBN 978-3-658-09450-8

www.dgsf.org




© 2019 By Perspektivist – Daniela Niemeyer

social_xing.png
social_linkedin.png
social_facebook.png
social_instagram.png

Kontakt

T: +49 (0) 40. 851 97 635   M: + 49 (0) 151. 155 15 647    E: info@perspektivist-consulting.com